Flüsterasphalt: Wie viel leiser wird es wirklich?

Offenporiger Flüsterasphalt senkt den Verkehrslärm im Neuzustand um bis zu 10 dB(A), nach acht Jahren sind es laut Umweltbundesamt nur noch etwa 5 dB(A). Er wirkt vor allem auf Autobahnen und Schnellstraßen ab 60 km/h. In der Stadt kommen dichtere lärmarme Beläge zum Einsatz, die den Lärm um etwa 2 bis 3 dB(A) mindern.

Was ist Flüsterasphalt?

„Flüsterasphalt“ ist kein Fachbegriff, sondern ein Sammelname für Straßenbeläge, die das Rollgeräusch der Reifen verringern. Das ist wichtig, weil dieses Reifen-Fahrbahn-Geräusch nach Angaben des Umweltbundesamts bei Pkw schon ab circa 30 km/h die lauteste Geräuschquelle ist, lauter als der Motor. Wer den Belag ändert, ändert also den Lärm, den die meisten Autos in der Stadt und auf der Autobahn erzeugen.

Fachleute unterscheiden zwei Wirkprinzipien:

  • Absorption: Offenporiger Asphalt (OPA) hat viele Hohlräume. Die Luft, die der Reifen aus dem Profil presst, kann entweichen, und ein Teil des Schalls wird im Belag geschluckt statt reflektiert. Das ist der „echte“ Flüsterasphalt, wie er auf Autobahnen liegt.
  • Günstige Oberfläche: Dichte Beläge mit feiner, glatter Textur regen den Reifen weniger zum Schwingen an. Dazu gehören lärmarmer Splittmastixasphalt (SMA LA), lärmoptimierter Asphalt (LOA), dünne Deckschichten (DSH-V) und lärmarmer Gussasphalt.

Wie stark ein Belag wirkt, bewerten die Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen mit einem Korrekturwert gegenüber einem Referenzbelag. In den aktuellen RLS-19 heißt er DSD, in den älteren RLS-90 hieß er DStrO.

Wie viel leiser: Dezibel im Vergleich

Die folgende Tabelle fasst die Werte aus dem Bericht des Umweltbundesamts zum Stand der Technik zusammen, der unter Mitwirkung der Bundesanstalt für Straßenwesen entstanden ist (Stand 2014, Werte gegenüber dem Referenzbelag):

BelagMinderungEinsatz
Offenporiger Asphalt (OPA), auch zweischichtigbis zu 10 dB(A) im Neuzustand, nach acht Jahren noch etwa 5 dB(A); Rechenwert -5 dB(A)Autobahnen, Außerortsstraßen ab 60 km/h
Dünne Deckschicht im Heißeinbau auf Versiegelung (DSH-V)-4 bis -5 dB(A), nimmt mit der Liegezeit abErhaltung, wirkt vor allem bei Pkw
Lärmarmer Splittmastixasphalt (SMA LA)anfangs ca. 4 dB(A), innerorts 2 bis 3 dB(A)Stadt- und Landstraßen
Lärmarmer Gussasphalt2 bis 3 dB(A), Rechenwert -2 dB(A), bleibt stabilstark belastete Straßen, auch Autobahnen

Das Umweltbundesamt schreibt heute, dass ein moderner geräuschmindernder Belag um bis zu acht dB(A) leiser sein kann als der Referenzbelag. Zum Vergleich in die andere Richtung: Grobes Pflaster erzeugt sechs bis zehn dB(A) höhere Pegel als glatter Gussasphalt.

Was bedeuten diese Zahlen? Eine Minderung um 3 dB entspricht einer Halbierung der Schallenergie, also so, als würde nur noch halb so viel Verkehr fahren. Anwohnerinnen und Anwohner nehmen nach Angaben des Umweltbundesamts schon Änderungen ab 1 dB(A) wahr. Eine Minderung um 10 dB wird etwa als Halbierung der Lautstärke empfunden. Wie das Rechnen mit Dezibel funktioniert, erklärt die Dezibel-Tabelle.

Offenporig oder lärmoptimiert: Autobahn und Stadt

Offenporiger Asphalt bleibt laut Umweltbundesamt in den meisten Fällen Straßen mit gleichmäßig fließendem Verkehr ab 60 km/h vorbehalten. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • In der Stadt wird ständig gebremst, angefahren und abgebogen. Diese Scherkräfte belasten die offene Struktur des Belags.
  • Leitungsarbeiten und Aufgrabungen sind innerorts häufig; auch das nennt das Umweltbundesamt als Grund, dort robustere Beläge einzusetzen.
  • Offenporige Beläge sind verschmutzungsanfällig, und die Poren setzen sich mit der Zeit zu.

Für Stadtstraßen empfiehlt das Umweltbundesamt deshalb Beläge mit einer feinen Textur und kleinem Größtkorn: lärmarmen Splittmastixasphalt, lärmoptimierten Asphalt oder dünne Asphaltdeckschichten. Sie wirken schwächer als offenporiger Asphalt auf der Autobahn, sind aber robuster.

Für Sie als Anwohnerin oder Anwohner einer Stadtstraße heißt das: Rechnen Sie bei einer Erneuerung mit lärmmindernden Belägen eher mit einer Minderung im Bereich von 2 bis 3 dB(A). Das ist ungefähr so viel wie Tempo 30 statt 50, das den Pegel laut Umweltbundesamt je nach Lkw-Anteil um zwei bis drei dB(A) senkt. Beides zusammen kann sich addieren, ersetzt aber keine Schallschutzfenster an sehr lauten Straßen.

Wie lange die Wirkung hält

Das größte Problem lärmarmer Beläge ist ihre akustische Lebensdauer. Messungen zeigen hohe Anfangswerte, die mit den Jahren nachlassen:

  • Offenporiger Asphalt: im Neuzustand bis zu 10 dB(A), nach acht Jahren noch etwa 5 dB(A). Deshalb wird er in der Berechnung nur mit 5 dB(A) Minderung angesetzt, für mindestens acht Jahre. Er braucht eine akustisch wirksame Schichtdicke von mindestens 4 cm.
  • Lärmarmer Splittmastixasphalt: Auf einer Autobahn-Teststrecke stieg der Pegel anfangs um etwa 0,5 dB(A) pro Jahr.
  • Andere dünne lärmmindernde Schichten: In Berlin wurde eine Verschlechterung um bis zu 5 dB(A) in 3 Jahren beobachtet.
  • Lärmarmer Gussasphalt: Seine Minderung bleibt nach bisherigem Wissen über die Jahre gleich.

Die Wirkung hängt weniger vom Alter als von der Zahl der Überrollungen ab, also vor allem vom Schwerverkehr.

Kosten und Haltbarkeit

Konkrete Preise pro Quadratmeter hängen stark von Ausschreibung, Region und Baustelle ab, deshalb nennen wir keine Zahlen. Die Tendenz ist aber klar:

  • Offenporiger Asphalt hält bautechnisch je nach Verkehrsstärke und Schwerverkehrsanteil zwischen acht und zwölf Jahren, kürzer als dichte Beläge. Er braucht eine Abdichtung und eine eigene Entwässerung, und im Winter wird laut Bericht in der Regel 20% bis 50% mehr Tausalz verbraucht. Dafür läuft Regenwasser im Belag ab, Sprühfahnen und Aquaplaning bleiben aus. Die zweischichtige Variante mit einer oberen Schicht aus 8 mm Körnung und einer gröberen unteren Schicht aus 16 mm ist weniger verschmutzungsempfindlich und eignet sich laut Bericht besser für Geschwindigkeiten unter 60 km/h.
  • Lärmarmer Splittmastixasphalt kostet laut Bericht etwas mehr als herkömmlicher Splittmastixasphalt, aber deutlich weniger als offenporiger Asphalt. Er hat einen höheren Hohlraumgehalt von 10 - 15 % als der Standardbelag.
  • Gussasphalt ist teurer im Einbau, hält aber 30 Jahre und mehr und gilt deshalb als Belag mit gutem Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Flüsterasphalt im Lärmaktionsplan Ihrer Stadt

Lärmmindernde Fahrbahnbeläge gehören zu den wenigen Maßnahmen, die Städte an ihren eigenen Straßen selbst umsetzen können, neben Tempolimits, mehr Abstand zwischen Fahrbahn und Häusern und einem gleichmäßigeren Verkehrsfluss. Viele Lärmaktionspläne nennen sie deshalb ausdrücklich. Berlin etwa führt Fahrbahnerneuerungen in seinem Lärmaktionsplan als bewährte Strategie weiter.

So finden Sie heraus, ob Ihre Straße dabei ist:

  • Lärmkarte prüfen: Straßen mit Werten ab 70 dB tagsüber, wie sie typischerweise an Autobahnen und großen Hauptstraßen vorkommen, stehen in Lärmaktionsplänen meist oben auf der Liste. Was das bedeutet, zeigen die Seiten 70 dB und 75 dB.
  • Lärmaktionsplan lesen: Den Link zum Plan Ihrer Stadt finden Sie auf der jeweiligen Stadtseite von Lärmatlas. Suchen Sie im Maßnahmenteil nach Ihrer Straße und nach Begriffen wie „lärmmindernder Belag“ oder „Deckenerneuerung“.
  • Mitreden: Lärmaktionspläne werden alle fünf Jahre überprüft, und die Öffentlichkeit muss beteiligt werden. Schlagen Sie Ihre Straße für die nächste Fahrbahnerneuerung mit lärmminderndem Belag vor.

Für Autobahnen und Bundesstraßen ist nicht die Stadt zuständig, sondern der Bund. Hier kann die freiwillige Lärmsanierung greifen, die der Ratgeber Verkehrslärm: Grenzwerte erklärt. Wie laut es an Ihrer Adresse ist, prüfen Sie im Lärm-Check. Mehr zur Kartierung lesen Sie unter Lärmkartierung.

Häufige Fragen

Wie viel leiser ist Flüsterasphalt?

Offenporiger Asphalt ist im Neuzustand bis zu 10 dB(A) leiser als ein herkömmlicher Belag, nach acht Jahren sind es laut Umweltbundesamt nur noch etwa 5 dB(A). Lärmmindernde Beläge für die Stadt bringen 2 bis 3 dB(A).

Warum gibt es Flüsterasphalt kaum in der Stadt?

Offenporige Beläge bleiben laut Umweltbundesamt meist Straßen mit gleichmäßig fließendem Verkehr ab 60 km/h vorbehalten. Innerorts belasten Abbiegen, Bremsen und Anfahren die Oberfläche, und offenporige Beläge sind verschmutzungsanfällig. Dort empfiehlt das UBA feinkörnige, lärmmindernde Beläge wie lärmarmen Splittmastixasphalt oder lärmoptimierten Asphalt.

Quellen

  1. Lärmmindernde Fahrbahnbeläge – Ein Überblick über den Stand der Technik (UBA Texte, unter Mitwirkung der Bundesanstalt für Straßenwesen), Umweltbundesamt (abgerufen am )
  2. Straßenverkehrslärm (lärmmindernde Fahrbahnbeläge, Geschwindigkeit, Abschirmung), Umweltbundesamt (abgerufen am )
  3. Lärm – Hören, messen und bewerten, Bayerisches Landesamt für Umwelt (abgerufen am )
  4. Lärmaktionsplan Berlin, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Berlin (abgerufen am )