Lden und Lnight: Was die Werte in der Lärmkarte bedeuten

Lden ist der über ein ganzes Jahr gemittelte Lärmpegel für 24 Stunden, bei dem Lärm am Abend mit 5 dB und in der Nacht mit 10 dB Zuschlag zählt. Lnight ist der Jahresmittelwert nur für die Nacht von 22 bis 6 Uhr. Beide Werte werden berechnet und in der Lärmkarte in Stufen von 5 dB dargestellt.

Lden: der Tag-Abend-Nacht-Wert

Lden steht für „Level day-evening-night“, auf Deutsch Tag-Abend-Nacht-Lärmindex. Er beschreibt, wie laut es an einem Ort im Durchschnitt eines ganzen Jahres ist, und zwar rund um die Uhr. Die Verordnung über die Lärmkartierung (34. BImSchV) teilt den Tag dafür in drei Abschnitte:

ZeitraumUhrzeitDauerZuschlag
Tag (Lday)6 bis 18 Uhr12 Stundenkeiner
Abend (Levening)18 bis 22 Uhr4 Stunden+ 5 dB
Nacht (Lnight)22 bis 6 Uhr8 Stunden+ 10 dB

Für jeden Abschnitt wird zuerst ein Mittelungspegel über alle Tage des Jahres berechnet. Danach werden die drei Werte energetisch zu einem Wert für 24 Stunden zusammengefasst, wobei Abend und Nacht mit Zuschlag eingehen. Dahinter steht eine einfache Überlegung: Dasselbe Verkehrsgeräusch stört abends und nachts mehr als mittags, weil Menschen dann Ruhe suchen oder schlafen.

Für Sie als Leserin oder Leser der Lärmkarte heißt das: Ein Lden von 65 dB ist kein Wert, den ein Schallpegelmesser an Ihrem Fenster anzeigen würde. Es ist ein gewichteter Jahresdurchschnitt, der Belästigung über den ganzen Tag abbilden soll. Auf der Lärmkarte heißt er bei uns „tagsüber (Lden)“.

Lnight: der Nachtwert

Lnight ist der Mittelungspegel für die acht Nachtstunden von 22 bis 6 Uhr, ebenfalls über ein ganzes Jahr gemittelt. Er bekommt keinen Zuschlag, denn er beschreibt ohnehin nur die Nacht. Lnight dient als Kenngröße für mögliche Schlafstörungen.

Die strategischen Lärmkarten beginnen nachts bei 50 dB. Die 34. BImSchV schreibt Bänder ab 50 dB vor und erlaubt optional ein zusätzliches Band von 45–49 dB. Auf Lärmatlas zeigen wir die Pflichtbänder ab 50 dB. Ist Ihr Haus nachts nicht eingefärbt, liegt der berechnete Nachtwert der kartierten Quellen also unter 50 dB, oder die Straße vor Ihrem Haus wurde gar nicht kartiert.

An derselben Stelle liegt der Lnight in aller Regel deutlich unter dem Lden, weil nachts weniger Verkehr fließt und der Nachtwert ohne Zuschlag in die eigene Kenngröße eingeht. Wie groß der Abstand ist, hängt vom Anteil des Nachtverkehrs ab: An Straßen mit viel nächtlichem Lkw-Verkehr ist er kleiner als an einer Straße, die vor allem tagsüber befahren wird.

Rechenbeispiel: So entsteht ein Lden

Die Formel in § 2 der 34. BImSchV addiert die drei Abschnitte nicht einfach, sondern bildet einen energetischen Mittelwert, weil Dezibel eine logarithmische Größe sind. Ein vereinfachtes Beispiel zeigt die Wirkung der Zuschläge:

  • Tag: 60 dB, Abend: 55 dB, Nacht: 50 dB.
  • Mit Zuschlägen zählen der Abend als 60 dB (55 + 5) und die Nacht als 60 dB (50 + 10).
  • Alle drei Abschnitte liegen damit rechnerisch gleichauf, der Lden beträgt 60 dB.

Nun derselbe Ort mit mehr Nachtverkehr: Tag 60 dB, Abend 55 dB, Nacht 55 dB. Mit dem Nachtzuschlag zählt die Nacht wie 65 dB. Der Lden steigt auf rund 62,4 dB, obwohl es tagsüber kein bisschen lauter geworden ist.

Daraus folgt zweierlei. Erstens kann der Lden höher sein als der Pegel, der tagsüber tatsächlich herrscht. Zweitens reagiert er stark auf Nachtverkehr. Wenn Sie wissen wollen, wie es um Ihren Schlaf steht, schauen Sie deshalb immer auch auf den Lnight.

Welche Werte die WHO empfiehlt

Die Weltgesundheitsorganisation hat 2018 Leitlinien für Umgebungslärm in der europäischen Region veröffentlicht. Für Straßenverkehrslärm empfiehlt sie, einen Lden von 53 dB und einen Lnight von 45 dB nicht zu überschreiten.

Darin empfiehlt die WHO, dass die Lärmbelastung durch Straßenverkehr ganztags einen Mittelungspegel von 53 Dezibel (dB(A)) und nachts von 45 dB(A) nicht überschreiten sollte, um negative gesundheitliche Folgen zu vermeiden.Umweltbundesamt zu den WHO-Leitlinien 2018

Beide Empfehlungen liegen unter den Schwellen, ab denen die EU-Lärmkarten überhaupt Bänder ausweisen (55 dB Lden, 50 dB Lnight). Ein Ort ohne Farbe auf der Karte kann die WHO-Werte also trotzdem überschreiten. Das Umweltbundesamt nutzt für seinen bundesweiten Indikator aus diesem Grund ebenfalls 55 dB und 50 dB, weil das die niedrigsten in der Kartierung verfügbaren Werte sind.

Zum Vergleich mit dem Innenraum: Nach Angaben des Umweltbundesamts sind in Wohnungen bei nächtlichen Mittelungspegeln unter 25 dB keine nennenswerten Beeinträchtigungen zu erwarten. Bei gekipptem Fenster wird das erreicht, wenn der Außenpegel nachts unter 40 dB liegt. Wie leise das ist, zeigen die Seiten Wie laut sind 30 dB? und Wie laut sind 40 dB?.

Lden ist kein Beurteilungspegel: Unterschied zur 16. BImSchV

Viele Leserinnen und Leser vergleichen die Werte der Lärmkarte mit den Grenzwerten der Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV), etwa 59/49 dB für Wohngebiete. Das ist nur eingeschränkt möglich, denn es handelt sich um verschiedene Größen:

  • Zeiträume: Die 16. BImSchV kennt nur Tag (6 bis 22 Uhr) und Nacht (22 bis 6 Uhr). Der Lden hat drei Abschnitte und Zuschläge.
  • Rechenverfahren: Für die 16. BImSchV gelten die Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen (RLS-19). Die EU-Lärmkarten werden nach dem europäisch harmonisierten Verfahren berechnet, das in Deutschland als Berechnungsmethode für bodennahe Quellen (BUB) bekanntgemacht wurde.
  • Zweck: Der Beurteilungspegel entscheidet beim Bau oder der wesentlichen Änderung einer Straße über einen Rechtsanspruch auf Lärmschutz. Der Lden dient dem Überblick und der Planung von Lärmaktionsplänen.

Ein Lden von 64 dB ist deshalb nicht dasselbe wie ein Tageswert von 64 dB nach 16. BImSchV. Als Orientierung taugt der Vergleich, als Nachweis nicht. Mehr dazu im Ratgeber Verkehrslärm: Grenzwerte.

Wurde gemessen oder berechnet?

Berechnet, nicht gemessen. Die Behörden bilden Straßen, Verkehrsmengen, Lkw-Anteile, Geschwindigkeiten, Fahrbahnbeläge, Gebäude und Gelände in einem dreidimensionalen Modell ab und berechnen daraus die Pegel. Die 34. BImSchV legt fest, dass die Rechenpunkte für die Flächenkarte in 4 m Höhe über dem Boden liegen. Für die Zahl der belasteten Menschen werden dagegen Punkte direkt an den Fassaden ausgewertet.

Messungen wären für ganze Städte kaum machbar und würden von Wetter, Jahreszeit und Zufällen abhängen. Ein Jahresmittel mit Abend- und Nachtzuschlag lässt sich mit einem Handgerät ohnehin nicht direkt ablesen. Wenn Sie selbst nachmessen, vergleichen Sie also Momentanwerte mit einem Jahresmittel. Was die Dezibel-Werte im Alltag bedeuten, zeigt die Dezibel-Tabelle.

Wie aktuell sind die Werte?

Die aktuellen Karten stammen aus der vierten Runde der EU-Lärmkartierung von 2022. Die Verkehrsdaten beziehen sich in der Regel auf das Jahr 2021. Für diese Runde wurde erstmals das neue, EU-weit einheitliche Rechenverfahren verwendet, deshalb lassen sich die Zahlen nicht direkt mit den Karten von 2017 vergleichen.

Die Lärmkarten werden alle fünf Jahre überprüft. Die nächste Runde ist bis 2027 fällig. Bis neue Karten veröffentlicht sind, bleiben die Werte von 2022 maßgeblich. Neue Straßen, Tempo-30-Abschnitte oder Flüsterasphalt seit 2021 sind darin noch nicht enthalten. Den Lden und den Lnight an Ihrer Adresse sehen Sie im Lärm-Check.

Häufige Fragen

Was bedeuten Lden und Lnight?

Lden ist ein über das ganze Jahr gemittelter Lärmwert für 24 Stunden, bei dem Lärm am Abend (18–22 Uhr) mit 5 dB und in der Nacht (22–6 Uhr) mit 10 dB Aufschlag zählt. Lnight ist der Mittelwert nur für die Nacht. Die Lärmkarte stellt beide in Stufen von 5 dB dar.

Warum ist Lden höher als der Tageswert?

Weil Lärm am Abend mit 5 dB und in der Nacht mit 10 dB Aufschlag eingerechnet wird. Ein Ort mit viel Nachtverkehr bekommt dadurch einen höheren Lden als einer, an dem es nur tagsüber laut ist.

Welcher Lnight-Wert ist unbedenklich?

Die WHO empfiehlt für Straßenlärm nachts höchstens 45 dB (Lnight) vor dem Fenster. Die EU-Lärmkarten beginnen erst bei 50 dB.

Wurde der Lärm gemessen oder berechnet?

Berechnet. Grundlage sind Verkehrsmengen, Lkw-Anteil, Tempo, Fahrbahnbelag und Bebauung, ausgewertet nach dem in Deutschland vorgeschriebenen Verfahren. Messungen wären für ganze Städte kaum machbar und hängen stark von Wetter und Uhrzeit ab.

Kann ich Lden mit einem Messgerät messen?

Nicht direkt. Lden ist ein Jahresmittel mit Zuschlägen für Abend und Nacht. Ein Messgerät zeigt nur den momentanen Pegel, der stark schwankt.

Quellen

  1. Verordnung über die Lärmkartierung (34. BImSchV), § 2 Lärmindizes, Bundesministerium der Justiz (abgerufen am )
  2. 34. BImSchV, § 4 Ausarbeitung von Lärmkarten und § 5 Berechnungsverfahren, Bundesministerium der Justiz (abgerufen am )
  3. Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV), § 2 Immissionsgrenzwerte, Bundesministerium der Justiz (abgerufen am )
  4. Indikator: Belastung der Bevölkerung durch Verkehrslärm (mit WHO-Empfehlungen 2018), Umweltbundesamt (abgerufen am )
  5. Lärmkarten (EU-Umgebungslärmrichtlinie), Umweltbundesamt (abgerufen am )
  6. Straßenverkehrslärm, Umweltbundesamt (abgerufen am )